« Back to Glossary Index
Definition und Prozessphase
Die Nachpresszeit ist die Zeitspanne unmittelbar nach dem Ende des Schweißstromflusses, in der die Elektroden weiterhin mit der vollen Elektrodenkraft auf das Werkstück drücken. Sie ist die vierte und letzte Phase eines Standard-Schweißzyklus (Vorpresszeit – Schweißzeit – Haltezeit – Nachpresszeit).
Physikalische Bedeutung: Erstarrung unter Druck
Während der Schweißzeit entsteht zwischen den Blechen eine flüssige Schmelze (die Schweißlinse). Würde die Zange sofort nach dem Stromfluss öffnen, käme es zu massiven Qualitätsproblemen. Die Nachpresszeit bewirkt:
- Vermeidung von Poren: Durch den Druck wird verhindert, dass sich beim Abkühlen Gaseinschlüsse oder Hohlräume (Lunker) im Inneren der Linse bilden.
- Gefügeoptimierung: Das Metall erstarrt kontrolliert. Die wassergekühlten Elektroden leiten die Restwärme ab, während der Druck das Gefüge verdichtet.
- Sicherung der Festigkeit: Erst nach einer ausreichenden Nachpresszeit ist die Verbindung stabil genug, um den Eigenspannungen der Bleche (Rückfederung) standzuhalten.
Folgen falscher Einstellungen:
- Zu kurz: „Aufplatzen“ der Schweißpunkte, Spritzer beim Öffnen der Zange, geringe Scherzugfestigkeit durch Lunkerbildung.
- Zu lang: Unnötige Verlängerung der Taktzeit, was die Wirtschaftlichkeit in der Serienfertigung (z. B. Automobilbau) reduziert.
Anwendungsbeispiel: Dickblech vs. Dünnblech
- Bei dünnen Blechen: Hier reicht oft eine sehr kurze Nachpresszeit, da die Wärme schnell abfließt.
- Bei dicken Blechen oder hochfesten Stählen: Hier ist eine längere Nachpresszeit (und ggf. ein erhöhter Nachpressdruck) essenziell, um Risse im Gefüge zu vermeiden.